Eine Wanderung im Elsass, die in der Südpfalz beginnt, führt euch auf den Kapellen-Pilgerweg. Die der Name schon erahnen lässt, ist er ans Pilgern angelehnt, an Aspekte wie Entschleunigung und Achtsamkeit. Insgesamt ist man 80 Kilometern unterwegs auf dem Kapellen-Pilgerweg in der deutsch-französischen Grenzregion. Ihr kommt dabei an zahlreichen Kirchen und Kapellen vorbei und habt somit immer wieder die Möglichkeit für einen stille Einkehr – in mitten der Natur vom Pfälzerwald. Der Weg lässt sich in mehrere Tagesetappen unterteilen. In den örtlichen Tourist-Informationen und natürlich im Internet gibt es dazu Übernachtungsangebote, die die Planung erleichtern. In diesem Blog-Beitrag stelle ich euch den Etappenweg vor, lege aber einen besonderen Schwerpunkt auf den vierten Abschnitte, auf dem ihr von Schweigen-Rechtenbach über Dörrenbach bis zurück nach Bad Bergzabern wandert.
Etappenwandern oder Tagestour: Unterwegs auf dem Kapellen-Pilgerweg

Die erste und einfachste Etappe führt auf 13 Kilometer (360 Höhenmetern) von Bad Bergzabern über Pleisweiler-Oberhofen und Gleiszellen-Gleishorbach bis nach Klingenmünster. Dort gelangt man zum Kloster im Ort, zur Gedenkstätte für Euthanasieopfer am Pfalzklinikum und zur Burg Landeck, die über dem Dörfchen thront. Die zweite Etappe ist mit 21 Kilometer und knapp 700 Höhenmetern eine Herausforderung, für die man aber mit Stationen unter anderem bei der Friedenskapelle oberhalb von Birkenhördt und der Burgruine Lindelbrunn bei Vorderweidenthal für die Mühen entlohnt wird. Mit 28 Kilometern (480 Höhenmeter) präsentiert sich die dritte Etappe des Kapellen-Pilgerwegs, die von Vorderweidenthal unter anderem am Seehof und dem Hirzeck-Haus entlangführt. Vorbei am Europadenkmal bei St. Germanshof und durch das französische Städtchen Wissembourg geht es bis zum Deutschen Weintor in das Grenzdorf Schweigen-Rechtenbach.
Kapellen-Pilgerweg: Wanderung im Elsass und der Südpfalz

Besonders der vierte Abschnitt des Kapellen-Pilgerwegs von Schweigen-Rechtenbach über Dörrenbach bis zurück nach Bad Bergzabern verbindet Kultur und Historie am Wegesrand mit einer entspannten Passage durch den Pfälzerwald und seinen zauberhaften Örtchen. Die Streckenwanderung besticht mit 16 Kilometern und 650 Höhenmetern. Los geht es am Wahrzeichen der Weinstraße, dem Deutschen Weintor, von wo aus sich unterwegs auf dem Kapellen-Pilgerweg tolle Weitblicke ins Elsass genießen lassen. Die Markierung in Lila und Weiß führt euch aus dem weinfrohen und bei Touristen beliebten Örtchen hinaus.
Es geht moderat, aber kontinuierlich bergauf bis zum Zwischenziel an der Burgruine Guttenberg. Hier sollte Zeit eingeplant werden, um die steinernen Zeitzeugen aus dem 12. Jahrhundert zu betrachten. Von der einstmals stolzen Burg sind heute nur noch Reste zu sehen. Eine Gedenktafel am Bergfried erinnert an ein kompliziertes Kapitel im deutsch-französischen Verhältnis: Der umgebende Mundatwald wurde der von der Besatzungsbehörde annektiert und war bis ins Jahr 1986 Teil des französischen Staatswaldes – obwohl er auf deutschem Territorium liegt.
Unterwegs auf dem Kapellen-Pilgerweg: Vorbei an der Burgruine Guttenberg

Bald nach der Ruine Guttenberg ist dann der höchste Punkt der Wanderung erreicht und es geht nun an einigen Stationen des Gebrüder Grimm Märchenwegs vorbei. Die Gemeinde Dörrenbach hat speziell für Kinder diesen Wanderweg erschlossen, auf dem Märchenfiguren von Künstlern aus der Region gestaltet wurden. Unterwegs auf dem Kapellen-Pilgerweg begegnen Ausflügler zunächst Rapunzel in ihrem Turm. Weiter geht es zum 21 Meter hohen Stäffelsbergturm. Ursprünglich aus Sandstein erbaut, sprengten ihn die Franzosen nach dem Zweiten Weltkrieg im Zuge der Westwallbeseitigung. Im Jahre 1964 wurde er in Beton wiederaufgebaut und als Hommage an das Dorf Dörrenbach mit einer Roseninstallation geschmückt. Der Weg führt nun am Goldesel aus „Tischlein-deck-dich“, der unheimlichen Hexenhütte von „Hänsel und Gretel“ und noch dem „Sterntaler“-Mädchen vorüber.
Kapellen-Pilgerweg: Etappenwandern oder Tagesausflug




Nicht mehr weit ist es ab da bis zur Kolmerbergkapelle. Einer Wallfahrtskapelle, deren Anfänge sich auf das Jahr 1470 datieren lassen. An diesem schönen Plätzchen im Wald feiern katholische und protestantische Christen alljährlich ein ökumenisches Wallfahrtsfest. Nun ist es an der Zeit, in das Winzerdorf Dörrenbach hinein zu laufen, das stolz den Beinamen „Dornröschendorf“ trägt. Jetzt wird aus dem Wanderschritt ein Bummelschritt, denn für die Betrachtung der schönen Fachwerkhäuser, des Rathauses im Renaissancestil aus dem 16. Jahrhundert und der mittelalterlichen Wehrkirche St. Martin sollten historieninteressierte Wandersleut‘ sich schon Zeit nehmen. Der älteste Teil der Simultankirche stammt aus der Zeit um 1300. Ein Großteil des Sakralbaus lässt sich der Spätgotik des 16. Jahrhunderts zuordnen. Ein besonderes Augenmerk fällt beim Blick in den Innenraum auf die Wandmalereien, die bei der Renovierung 1953 wiederentdeckt und freigelegt wurden.
Auch das Außengelände besticht durch seine naturnahe Gestaltung und idyllische Lage über den Dächern des Dorfes. Etwas makaber erscheint dagegen der Nachbau des mittelalterlichen Folterinstruments „Eiserne Jungfrau“, das dort etwas versteckt aufgestellt ist. Nur noch wenige Kilometer sind es von Dörrenbach bis nach Bad Bergzabern an, wo der Kapellen-Pilgerweg im Kurpark des Städtchens endet. Im Stadtgebiet lohnt sich der Spaziergang zu der Marktkirche, der Bergkirche und der St. Martinskirche – der Taufkirche der heiliggesprochenen Edith Stein. In Bad Bergzabern gibt es außerdem ein großes Gastronomieangebot, so dass diese durchaus herausfordernde Etappe des Kapellen-Pilgerwegs zu einem schönen Ausklang kommt.
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