Symbolträchtige Orte und versteckte Relikte: Entlang der Grenze zwischen Deutschland und Frankreich lassen sich Bunker in der Pfalz und im Elsassentdecken. Sie alle erzählen von einer bewegten Vergangenheit und könnten unterschiedlicher kaum sein. Bunkeranlagen, mal gut erhalten, mal vom Zahn der Zeit gezeichnet, sind heute für Besucher und Besucherinnen zugänglich. Manche als sorgfältig gepflegte Erinnerungsstätten, andere als mystisch-anmutende Zeitkapseln. Besonders spannend ist es tief im Wald: Verlassene Militäranlagen versprühen eine Lost-Place-Atmosphäre, wie die geheimnisvolle Area 1 aus der Ära des Kalten Krieges. Wer aufmerksam durch die Wälder streift, entdeckt entlang der Wanderwege immer wieder Spuren der Geschichte.
Fort Schoenenbourg / Artilleriewerk Four-à-Chaux
Rund 20 Autominuten vom französischen Städtchen Wissembourg entfernt liegt das Fort Schoenenbourg. Es ist eines der am besten erhaltenen Relikte der Maginot-Linie. Mit seinen rund drei Kilometern Stollen ist das Fort eines der größten Artilleriewerke in der Region und in 30 Metern Tiefe eröffnet sich eine unterirdische Welt, in der einst etwa 650 Soldaten lebten. Schlafsäle, Küche, Krankenstation und die Kommandozentrale geben einen teils beklemmend realistischen Einblick in das Leben unter Tage.
Auf dem Außengelände sichtbar sind die massiven Stahlkuppeln der sogenannten „Blocs“, die das Fort, dessen Bau zwischen 1929 und 1935 erfolgte, wie ein futuristisches Bollwerk anmuten lassen. Wer noch tiefer in die wechselvolle Geschichte eintauchen möchte, sollte zudem das nahegelegene Werk Four-à-Chaux besuchen. Der „Kalkofen“, wie er auf Deutsch heißt, ist eine Konstruktion auf zwei Ebenen, verbunden durch eine lange Rampe. Die feuchte Atmosphäre der halbdunklen Gänge hat heute neben der Geschichtsvermittlung eine weitere Funktion: Es wird ein Escape Game angeboten.

Bunker im Elsass: Der Simserhof
Etwa eine Autostunde von Wissembourg entfernt liegt als ein weiterer Bunker im Elsass der Simserhof. Auch diese Festungsanlage, zwischen 1929 und 1938 erbaut, zählt zu den gut erhaltenen und touristisch erschlossenen Anlagen der Maginot-Linie. Der gewaltige Bunkerkomplex sollte einst die strategisch wichtige Grenze zu Deutschland schützen. Am 30. Juni 1940, nach dem Waffenstillstand zwischen Frankreich und dem Deutschen Reich, wurden die Waffen niedergelegt. Heute zählt der Simserhof zu den modernsten Besucherzentren entlang der Maginot-Linie.
Der Rundgang beginnt mit einer Filmvorführung, die die politische Lage, den Bau und die dramatischen Ereignisse des Krieges veranschaulicht. Danach folgt eine Fahrt mit einer kleinen Bahn durch das ehemalige Munitionslager und Besucherinnen und Besucher können die Dimensionen der Anlage hautnah spüren: Der gesamte Komplex umfasst etwa 850 Hektar und bis zu 30 Meter tief führen rund vier Kilometer lange Gänge unter die Erde. Anschließend geht es zu Fuß weiter durch Kasernenbereiche, die Küche, das Elektrizitätswerk und das Lazarett – alles erhalten und in Szene gesetzt. Und auch rund um das Außengelände warten stille Zeitzeugen aus Beton und Stahl wie Beobachtungsposten und Panzersperren darauf, bei einem Spaziergang oder einer Wanderung entdeckt zu werden.

Westwall-Museum bei Niedersimten
Auf deutscher Seite war der Westwall das Pendant zur französischen Maginot-Linie. Die Befestigungslinie aus dem Zweiten Weltkrieg erstreckte sich über 630 Kilometer und umfasste etwa 15.000 Bunker. Noch viele Bunker in der Pfalz sind erhalten. Eine der bekanntesten ist das Festungswerk Gerstfeldhöhe in Niedersimten, einem Stadtteil von Pirmasens. Gerstfeldhöhe ist ein Beispiel für die militärische Architektur der 1930er Jahre, das besucht werden kann.
Die Bunkeranlage wird von ehrenamtlichen Vereinsmitgliedern gepflegt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Bei einem Rundgang durch das Bauwerk erwarten die Besucher und Besucherinnen zahlreiche Exponate. Neben Panzerfahrzeugen, Panzersperren und einer Flugabwehrkanone gibt es Dioramen, die das Leben und die Verteidigungsstrategien der Soldaten im Westwall veranschaulichen. In den unterirdischen Gängen wird die Geschichte des Westwalls erzählt.

Bunker in der Pfalz: Westwallmuseum Bad Bergzabern
Das Westwallmuseum in Bad Bergzabern ist im Vergleich zu Niedersimten deutlich kleiner und ein Besuch kann ebenso informativ gestaltet werden. Das Gelände liegt am Stadtrand von Bad Bergzabern und wurde 1998 eröffnet. Es ist in drei der vier erhaltenen Bunkern untergebracht, die 1938 im Zuge des Baus des Westwalls errichtet wurden. Obwohl das Museum im Vergleich zu anderen Anlagen der Region kleiner ist, bietet es eine Sammlung von Kriegsgegenständen wie Waffen, Fahrzeugen oder Nachrichtentechnik, die den Besucherinnen und Besuchern einen Einblick in das Leben der Soldaten an der Westwallfront vermittelt. Das Museum wird von ehrenamtlichen Vereinsmitgliedern betreut, die die Gäste auf Wunsch über das Gelände führen – Fachsimpeleien inklusive. Das Museum hat in der Regel von Karfreitag bis November an jedem zweiten und vierten Sonntag im Monat geöffnet und nach Absprache auch auf Anfrage.

Das Sonderwaffenlager Area 1 bei Fischbach/Dahn
Nicht nur der Erste und Zweite Weltkrieg haben ihre Spuren in der Region hinterlassen. Die Area 1 bei Fischbach/Dahn stammt aus der Zeit des Kalten Krieges. Heute versprüht das Gelände eine atmosphärische Mischung aus Lost-Place-Charme und Zeitgeschichte zum Anfassen. Das Areal, einst ein streng abgeschottetes Sonderwaffendepot der US-Armee, war bis in die frühen 1990er-Jahre hinein nicht zugänglich und unterlag höchster Geheimhaltung. Seine besondere Bedeutung hatte die Anlage in den 1960er- und 1970er-Jahren, als die Vereinigten Staaten im Zuge der NATO-Strategie Atomwaffen in Europa stationierten. Auch in der Pfalz war man also Teil dieses weltweiten Spannungsfelds zwischen Ost und West.
Heute ist das Depot längst stillgelegt aber keineswegs vergessen. Die Natur holt sich das Areal im Pfälzerwald langsam zurück: Moose und Farne überwuchern Betonmauern, Bäume sprengen alte Wege auf. Die Betonskelette der ehemalige Bunker in der Pfalz und Verwaltungsgebäude sowie der alles überragende Wachturm, dessen Silhouette weithin sichtbar ist – all das ist bis heute zu sehen und teilweise sogar begehbar. Ein Verein hat sich der Erhaltung der Anlage verschrieben. Auf einem beschilderten Rundweg informieren Tafeln über die Geschichte der Area 1, die sowohl auf einer Wanderung über den Rumberg-Steig als auch über einen Spaziergang von Ludwigswinkel aus zu erreichen. Besonders beliebt ist der Besuch bei Fotografen und Lost-Place-Fans, die der morbide Charme der verfallenen Anlage in den Bann zu ziehen scheint.

Bunker in der Pfalz: Bunker St. Martin
Auch der NATO-Bunker am Rande von St.Martin in der Südpfalz ist ein Relikt aus der Zeit des Kalten Krieges. Der Bau mit der Bezeichnung „GSVBw 44“ wurde zwischen 1964 und 1972 errichtet. Seine Hauptfunktion sollte die eines Fernmeldebunkers sein, um sichere militärische Kommunikationswege zu gewährleisten. Allerdings wurde der Bunker nie vollständig fertiggestellt oder in Betrieb genommen. Die vergleichsweise karge Anlage umfasst eine Fläche von etwa 3000 Quadratmetern. Hinein geht es über einen rund 630 Meter langen Stollen, der zu weiteren Gängen und Räumen führt. Der Bunker in der Pfalz bietet heute Interessierten die Möglichkeit, einen Einblick in die militärische Architektur und Planung des Kalten Krieges zu bekommen. Die Gemeinde St. Martin organisiert regelmäßig Führungen durch die Anlage, die Termine sind in der Regel schnell ausgebucht. Während der Wintermonate bleibt der Bunker allerdings geschlossen, da er als Winterquartier für Fledermäuse dient und aus Naturschutzgründen nicht betreten werden darf.
Westwallweg bei Schaidt und Westwallweg bei Oberotterbach
Für Wanderfreunde bieten sich mehrere Möglichkeiten an, die Geschichte des Westwalls hautnah zu erleben. Der Westwallweg bei Schaidt führt auf rund neun Kilometern durch den Bienwald und ist mit historischen Zeitzeugen entlang der Strecke gespickt. Vorbei geht es unter anderem an Ein-Mann-Bunker, sogenannte „Kochbunker“, die kaum Platz für einen Soldaten boten und nie zum Einsatz kamen. Informationstafeln entlang des als „Premium“ zertifizierten Wanderweges erläutern die strategische Bedeutung der verschiedenen Bunkertypen, von denen viele heute verfallen oder gesprengt sind. Ein ganz besonderes Fleckchen unterm Blätterdach sind die Turkogräber: Hier fanden Soldaten aus Nordafrika, die im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 auf französischer Seite kämpften, ihre letzte Ruhestätte.
Und auch bei Oberotterbach in der Südpfalz gibt es einen Westwallweg, der über rund zehn Kilometer an verschiedenen zerfallenen Anlagen aus der Zeit der Weltkriege vorbeiführt. Obwohl viele Bunkeranlagen des Westwalls nach 1945 gesprengt und größtenteils beseitigt wurden, finden sich bei Oberotterbach noch Ruinen und deutlich sichtbare Reste von Panzergräben im Wald. Informationstafeln entlang des Weges erläutern die Geschichte und Funktion dieser Überreste und schildern die Kämpfe um die Stellungen im Dezember 1944 und März 1945.

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