Jagdhäuser im Pfälzerwald und Einkehr im Naturfreundehaus

Murrmirnichtviel, Kehrdichannichts, Schaudichnichtum – so heißen drei ehemalige Jagdhäuser im Pfälzerwald, deren Glanz schon lange erloschen ist. Im frühen 18. Jahrhundert wurden mit solch herrschaftlichen Statussymbolen Jagdreviere abgesteckt. Die bizarren Namen stammen allerdings vom Volksmund, der so dafür sorgte, dass sie nicht in Vergessenheit geraten sind. Alle drei wurden bereits Ende des 18. Jahrhunderts in den französischen Revolutionskriegen komplett zerstört, weshalb nur noch wenige Ruinen zu entdecken sind. Auf einer Runde von 10 Kilometer können wir uns auf die historischen Spuren machen – mit einer Einkehr im Naturfreundehaus. Und: Es müssen auf der durchaus anspruchsvollen Wanderung im Pfälzerwald ordentlich Höhenmeter überwunden werden.

InfoDieser Bericht soll eine Orientierungshilfe bieten, die Strecke und ihre Begebenheiten vorstellen und helfen, die Anforderungen der Tour einzuschätzen. Vergesst nicht, zusätzliches Kartenmaterial mitzuführen und euch vor Antritt der Wanderung über mögliche Streckensperrungen, An- und Abreise usw. zu informieren! Den Track zu Wanderung findet ihr HIER.

Vor der Einkehr im Naturfreundehaus steht ein knackiger Aufstieg

Das Forsthaus Kehrdichannichts ist heute in Privatbesitz und nicht zugänglich.

Los geht es am Naturfreundehaus Oppauer Haus im Pferchtal nahe Wachenheim. Vom Parkplatz aus geht man ein paar Treppenstufen rechts hinauf in den Wald hinein. Die Markierung des Pfälzer Naturfreundewegs, ein großes, grünes N wird die Wanderung zu den Spuren der Jagdhäuser im Pfälzerwald zu Beginn leiten. Man wandert kurz auf einem steilen, wurzeligen Weg bergauf, überquert die Kreuzung „Weißer Stein“ und folgt einem Pfad bergab, bis dieser auf einen breiten Waldweg trifft. Hier links halten und nach circa 50 Metern an einem Findling rechts abbiegen. So erreicht man nach rund 2 Kilometern das erstes Ziel, den Hammelsbrunnen, an dem nun die Rundtour zu den Jagdhäusern beginnt und endet. Das bedeutet, dass man denselben Weg zum Naturfreundehaus zurückgeht wie gekommen. Da man bis hierher überwiegend abgestiegen sind, muss man am Ende der Tour noch einmal hochsteigen.

Rundweg führt vorbei an einstigen Jagdhäuser im Pfälzerwald

Zentrale Stelle der Wanderung ist der Hammelsbrunnen

Es empfiehlt sich, auf dem Rastplatz bei der sprudelnden Fontäne eine Verschnaufpause einzulegen und dabei auf den Schilderbaum zu achten, auf dem die Richtung zu Murrmirnichtviel angezeigt ist. Nach circa 200 Metern verlässt man am Schwabenbach den breiten Forstweg und biegt links auf ein Pfädchen ab. Jetzt beginnt der anstrengende Aufstieg hinauf auf den Kamm der Dreispitz, auf dem Graf Johann Friedrich von Leiningen um 1720 sein barockes Jagdhaus errichten ließ. Steil schlängelt sich der verwilderte Pfad stetig bergauf.

Gut 250 Höhenmeter gilt es auf einer zwei Kilometer langen Strecke zu überwinden. Da fließt selbst an Wintertagen viel Schweiß und das Murren will kein Ende nehmen. So erklärt sich der Name des Jagdhauses „Murrmirnichtviel“ fast schon von selbst. Nach viel Anstrengung stößt das Pfädchen oben auf einen querverlaufenden Waldweg, auf dem sich rechterhand ein Schilderbaum befindet. An diese Stelle kommt man wieder zurück, denn ab hier wird ein Bogen um Murrmirnichtviel und Kehrdichannichts geschlagen.

Vorbei an Jagdhäuser im Pfälzerwald zur Einkehr im Naturfreundehaus

Ruine Murrmirnichtviel im Pfälzerwald
Nur noch Mauerreste erinnern an das ehemalige Jagdhaus Murrmirnichtviel.

Zunächst führt der Pfad weiter geradeaus bergauf. Wer denkt, steiler kann es nicht mehr werden, wird nun eines Besseren belehrt. Der finale Aufstieg direkt unter dem Bergkamm ist so anstrengend, dass auch das Murren aufhört und jedes Gespräch verstummt. Den höchsten Punkt der Wanderung wird auf 490 Höhenmetern erreicht, Man steht dann vor der Ruine von Friedrichsburg – so nannte Graf Johann Friedrich seine Jagdhütte. Zu sehen ist nur noch der Stumpf des Treppenturms und ein paar halbhohe Mauerreste. Ansonsten überwuchert eine wilde Natur die gesamte Anlage. Jetzt folgt man dem gelben Kreuz bergab. Unten auf einem breiten Waldweg angekommen, geht es nach links am Forsthaus Kehrdichannichts vorbei. Da es für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist, gibt es auch nichts zu entdecken. Der mit dem grünen N markierte Weg führt in östliche Richtung zu dem besagten Schilderbaum unterhalb von Murrmirnichtviel zurück.

Wanderung im Pfälzerwald ist von ordentlich Höhenmetern geprägt

Gedenkstein Ritterstein Schaudichnichtum im Pfälzerwald
Nur noch wenige Reste zeugen von dem einstigen Jagdhaus.

Nach einer Spitzkehre nach rechts ist die Markierung wieder das gelbe Kreuz. Wenn auf der rechten Seite eine Stele mit Wegemarkierungen und am Baum ein Hinweisschild auftaucht, macht man einen kurzen Schlenker nach links zu Schaudichnichtum. Mit diesem Jagdhaus steckten einst die Rivalen der Leininger, die Pfälzer Kurfürsten, die Grenzen ihres Reviers ab. Doch lediglich ein Ritterstein – so heißen die Gedenksteine, die historische und geografische Landmarken im Pfälzerwald kennzeichnen – erinnert an die längst verschwundene Jagdhütte. Zurück zum Weg, folgt man noch kurz dem gelben Kreuz, verlässt es an der Wegspinne „Kaisergärtchen“ und nimmt nun als Markierung den grün-weißen Balken nach links. Der bequeme Pfad führt nach drei Kilometern retour zum Hammelsbrunnen, wo man auf den bereits bekannten Weg zurück zum Oppauer Haus läuft und die Einkehr im Naturfreundehaus genießen kann.

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