Auf rund 235 Kilometern führt der Westerwaldsteig von Herborn in Hessen bis an den Rhein. Dazwischen liegen Wälder, stille Bachtäler, Seen, weite Höhenzüge und kleine Westerwalddörfer. Mal wandert man kilometerweit durch den Wald, mal öffnet sich plötzlich die Landschaft und der Blick schweift weit über die Höhen des Westerwaldes.
Zur Bloggerreise im Westerwald wurde ich im Sommer 2026 vom der Rheinland-Pfalz Touristik und weiteren Partnern eingeladen. Dies hat keinerlei Auswirkungen auf diesen Bericht, der meine persönlichen Eindrücke wiedergibt
Wandern im Westerwald bis an den Rhein
Der Westerwaldsteig beginnt im hessischen Herborn und führt quer durch den Westerwald in Richtung Rhein. Dabei durchquert er sehr unterschiedliche Landschaften. Zu Beginn prägen Wälder und die Höhen die Strecke. Später führt der Weg vorbei an kleinen Orten, Bächen und Seen und schließlich hinein in das romantische Wiedtal. Auf den letzten Kilometern verändert sich die Landschaft erneut, bevor der Rhein erreicht wird. Gerade diese Abwechslung macht eine mehrtägige Wanderung spannend. Man hat selten das Gefühl, Tag für Tag durch dieselbe Landschaft zu laufen und obwohl der Westerwald keine alpinen Gipfel besitzt, sollte man die Strecke nicht unterschätzen. Zahlreiche kleinere An- und Abstiege summieren sich über den Tag. Besonders einige der längeren Etappen können ordentlich in die Beine gehen.
Westerwaldsteig: 16 Etappen und jede hat ihren eigenen Charakter




Der Westerwaldsteig ist in 16 Etappen aufgeteilt, wobei ihr diese auch nach eigener Lust und Laune anpassen könnt. Dadurch lässt er sich sehr flexibel wandern. Wer die komplette Strecke gehen möchte, kann daraus eine mehrtägige Wanderreise machen. Genauso gut lassen sich einzelne Abschnitte als Tages- oder Wochenendtour auswählen.
Hier die Etappen im Überblick:
- Herborn – Breitscheid: ca. 16 km | ↑ 540 HM | ↓ 247 HM
- Breitscheid – Rehe: ca. 17 km | ↑ 274 HM | ↓ 235 HM
- Rehe – Rennerod: ca. 9 km | ↑ 55 HM | ↓ 91 HM
- Rennerod – Westerburg: ca. 16 km | ↑ 202 HM | ↓ 288 HM
- Westerburg – Freilingen: ca. 20 km | ↑ 321 HM | ↓ 314 HM
- Freilingen – Nistertal: ca. 20 km | ↑ 201 HM | ↓ 301 HM
- Nistertal – Bad Marienberg: ca. 7 km | ↑ 132 HM | ↓ 31 HM
- Bad Marienberg – Hachenburg: ca. 14 km | ↑ 261 HM | ↓ 328 HM
- Hachenburg – Limbach: ca. 12 km | ↑ 123 HM | ↓ 256 HM
- Limbach – Marienthal: ca. 21 km | ↑ 600 HM | ↓ 562 HM
- Marienthal – Weyerbusch: ca. 15,5 km | ↑ 300 HM | ↓ 270 HM
- Weyerbusch – Flammersfeld: ca. 14,8 km | ↑ 260 HM | ↓ 310 HM
- Flammersfeld – Horhausen: ca. 14,7 km | ↑ 330 HM | ↓ 240 HM
- Horhausen – Strauscheid: ca. 16,9 km | ↑ 500 HM | ↓ 570 HM
- Strauscheid – Waldbreitbach: ca. 16,9 km | ↑ 500 HM | ↓ 660 HM
- Waldbreitbach – Bad Hönningen/Rheinbrohl: ca. 12 km | ↑ 256 HM | ↓ 293 HM
Wer beim Namen Westerwald an gemütliche Spazierwege denkt, dürfte an einigen Stellen überrascht sein. Der Westerwaldsteig besitzt zwar keine extremen Bergpassagen, aber die vielen Höhenunterschiede sorgen trotzdem für sportliche Wandertage. Vor allem die längeren Etappen mit rund 20 Kilometern und mehreren hundert Höhenmetern verlangen Kondition. Dazu kommen je nach Wetter Waldwege, schmale Pfade und möglicherweise matschige Abschnitte. Das Schöne daran: Auf anstrengende Passagen folgen immer wieder ruhigere Kilometer. Und spätestens wenn sich nach einem längeren Anstieg ein weiter Blick über den Westerwald öffnet, weiß man wieder, warum man losgelaufen ist.

Was auf dem Westerwaldsteig besonders schön ist
Es sind nicht nur einzelne Sehenswürdigkeiten, die den Westerwaldsteig ausmachen. Oft sind es die kleinen Momente dazwischen: Das Licht, das morgens durch den Wald fällt. Eine Bank mit Aussicht, die genau im richtigen Moment auftaucht. Das Rauschen eines Baches, eine unerwartete Fernsicht oder die erste Einkehr nach vielen Kilometern. Zu den landschaftlichen Höhepunkten entlang beziehungsweise im Umfeld des Weges gehören unter anderem der Hohe Westerwald, die Westerwälder Seenplatte, die Gegend um Bad Marienberg und Hachenburg, das Nistertal sowie das Wiedtal. Gegen Ende der Wanderung wartet schließlich der Übergang zum Rheintal.

Wandern im Westerwald zu jeder Jahreszeit
Ihr könnt den Westerwaldsteig auch prima auf einzelnen Tagesetappen erkunden. Die örtlichen Tourist-Infos helfen euch bei der Planung. Vergesst dabei nicht, ausreichend Wasser, etwas Proviant, Regen- und Sonnenschutz, ein kleines Erste-Hilfe-Set und ein geladenes Smartphone beziehungsweise eine zusätzliche Navigationsmöglichkeit dabei zu haben. Eine ganz besondere Übernachtungsmöglichkeit bietet die Abtei Marienstatt. Und im Brauhaus auf dem Gelände lässt es sich prima einkehren. Ebenfalls ein außergewöhnlicher Stopp bietet das Wildparkhotel mit seinem drehbaren Panorama-Restaurant.




Tageswanderung oder gleich die komplette Strecke?
Das Schöne am Westerwaldsteig ist seine Flexibilität. Für den Einstieg reicht eine einzelne Etappe völlig aus. So bekommt man schnell ein Gefühl für Landschaft und Wegführung. Ein verlängertes Wochenende mit zwei oder drei Etappen ist ideal, wenn man etwas tiefer in den Westerwald eintauchen möchte. Die komplette Strecke ist dagegen ein kleines Abenteuer für sich. Das Wandern im Westerwald ist besonders schön für Menschen, die nicht ständig den nächsten spektakulären Fotospot brauchen. Er ist ein Weg für alle, die Wälder lieben, gerne längere Strecken laufen und zwischendurch einfach die Ruhe genießen möchten. Gleichzeitig bietet die Aufteilung in einzelne Etappen viel Freiheit: Man muss weder Fernwanderprofi sein noch sofort alle 235 Kilometer bewältigen. Wer noch wenig Erfahrung mit längeren Wanderungen hat, kann zunächst eine kürzere Etappe auswählen und sich langsam steigern.
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