Pfalz/Elsass: Durchs Deutsche Weintor nach Wissembourg

Von Bad Bergzabern nach Wissembourg, 12 Kilometer, einfach/mittel.

Nicht erst seit Hape Kerkelings Buch-Erfolg „Ich bin dann mal weg“ steht Pilgern hoch im Kurs. Für viele Wandersleut‘ lautet das Ziel des Weges und der Mühen: Santiago de Compostela. Doch auch in der schönen Pfalz kann man auf historischen Pilgerwegen wandern – und das auch ohne spirituellen Anlass. Zwar will ich an dieser Stelle keine Parallelen zu den „originalen“ Jakobswegen in Spanien und Co. ziehen – das wäre doch etwas weit hergeholt. Aber schöne Wanderwege sind es Hierzulande allemal. Zum Beispiel die hier vorgestellte Etappe, die ich als sehr gemütliche Tour empfunden habe.

Was man dazu sagen muss: Wir sind zwar auf einer Etappe des Pfälzer Jakobwegs unterwegs, folgen aber auch vielen anderen Markierungen wie dem „Pfälzer Weinsteig“ und dem „Wanderweg Deutsche Weinstraße“. Los geht’s in Bad Bergzabern, wir kommen dann durch Dörrenbach, Oberotterbach und Schweigen-Rechtenbach. Wer bis nach Wissembourg verlängern möchte und sich in dem französischen Städtchen nicht auskennt, sollte zusätzliches Kartenmaterial mitnehmen, da es hier viele Varianten des Stadtspaziergangs gibt.

Markierung: Zahlreiche! Der Pfälzer Weinsteig ist eine rot-weiß geschwungene Linie, der Pfälzer Jakobsweg wird von einer Jakobsmuschel symbolisiert. Dazu gibt es weitere Markierungen auf der Strecke beispielsweise direkt zu den Ortschaften Dörrenbach, Oberotterbach, Schweigen-Rechtenbach und Wissembourg. Im Stadtgebiet Wissembourg bitte zusätzliches Material mitführen.

Weitere Infos: Einkehren beispielsweise im Schützenhaus Oberotterbach: Geöffnet mittwochs bis sonntags ab 11 Uhr (andere Zeiten im September und Oktober), www.schützenhaus-oberotterbach.de. Gastronomie gibt es auch in Dörrenbach, Schweigen-Rechtenbach und Wissembourg. Generell ist der Weg gut beschildert. Jedoch gilt: Mein Bericht soll eine Orientierungshilfe bieten, die Strecke und ihre Begebenheiten vorstellen und helfen, die Anforderungen der Tour einzuschätzen. Vergesst nicht, zusätzliches Kartenmaterial mitzuführen und euch vor Antritt der Wanderung über Streckensperrungen, An- und Abreise usw. zu informieren. Den GPS-Track gibt es zum Beispiel hier: https://www.outdooractive.com/de/wanderung/pfalz/von-bad-bergzabern-nach-wissembourg-12-kilometer-einfach-mittel/115918766/
Infos auch unter: www.jakobsweg-pfalz.de 

Streckenbeschreibung: Wir starten im Kurpark in Bad Bergzabern und können uns an vielen Markierungen und Hinweisschildern orientieren. Das erste Ziel ist das „Dornröschendorf“ Dörrenbach. Dazu halten wir uns mit Blick auf die Infotafel links und folgen dem schmalen Pfad, der sich links von der Asphaltstraße „Am Wonneberg“ in steilen Kehren in die Höhe windet. An dessen Ende wandern wir durch Reben hindurch und genießen den freien Blick über die Stadt und die Rheinebene.

Durchs Rebenmeer geht es von Bad Bergzabern nach Dörrenbach.

Der nächste Wegweiser leitet uns erneut in den Wald zurück und wir sehen schon bald die ersten Häuser der 1000-Seelen-Gemeinde Dörrenbach. Jetzt wird aus unserem Wanderschritt ein Bummelschritt, denn für die Betrachtung der schönen Fachwerkhäuser, des Rathauses im Renaissancestil aus dem 16. Jahrhundert und der mittelalterlichen Wehrkirche sollte man sich schon etwas Zeit nehmen. Wir sind auf der Wiesenstraße in das Örtchen hineingekommen und biegen im Verlauf links in die Übergasse ab. Das kleine Sträßchen führt in einem Bogen aus dem Ort hinaus.

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Dörrenbach trägt stolz den Beinamen „Dornröschen der Pfalz“ und dementsprechend traditionell wird auch jedes Jahr ein „Dornröschen“ gewählt.

Wir kommen gleich wieder in den Wald hinein und dann in die offene Landschaft. Unter anderem schön geschnitzte Holzwegweiser lenken uns nun nach Oberotterbach. Wir laufen auf dem Lenkerweg in das weinfrohe Örtchen, in dem etwa 1200 Menschen leben, biegen nach rechts auf die Guttenbergstraße und dann links in die Handwerkgasse ein. An deren Ende halten wir uns rechts auf die Oberdorfstraße und wer dieser aus dem Ort hinaus und an der Helden- und Brendelsmühle vorbeiläuft, kann im Schützenhaus einkehren.

Ein kurzer Abstecher über den Waldgeisterpfad, der beim Schützenhaus beginnt und endet, kann an dieser Stelle eingeplant werden.

Um unsere Wanderung fortzusetzen, laufen wir wie gekommen auf der Oberdorfstraße zurück und biegen in die Hummelsgasse ein, die uns aus Oberotterbach hinaus und in Richtung des deutsch-französischen Grenzortes Schweigen-Rechtenbach bringt. Erneut genießen wir den Marsch durch das Rebenmeer.

Viele schöne Aussichten machen die leichte Wanderung zwischen den Pfälzer Ortschaften aus.

An der Kirche des Ortsteil Rechtenbach entlang kommen wir in den Ort hinein und sind in Richtung des Deutschen Weintors auf der Kirchstraße und über den Kreisel hinweg auf der Weinstraße unterwegs. Die Strecke verlief bisher überwiegend in der Landschaft, nun sind wir im bebauten Ortsgebiet unterwegs. Da es sich zudem um ein beliebtes Ausflugsziel handelt, müssen wir an einigen Stellen auf den Verkehr achten. An dem belebten Platz mit Einkehrmöglichkeiten rund um das Deutsche Weintor mit seiner wechselvollen Geschichte kann die Wanderung auf den einstigen Pilgerpfaden beendet werden. Historisch-interessierte Wanderer sollten sich im Vorfeld über den Bau informieren – das würde den Rahmen an dieser Stelle des Wanderberichts allerdings sprengen. Unter den Nazis gebaut symbolisiert es den Beginn bzw. das Ende der Deutschen Weinstraße (die andere Seite ist am Haus der Deutschen Weinstraße in Bockenheim), deren „Erfindung“ ebenfalls auf die Nazis zurück geht. Es scheint so, als habe man sich mit der Aufarbeitung der Vergangenheit kaum Mühe gemacht: In dem Kranz in den Krallen des Adlers (Bild unten) ist das auf die Schnelle heraus geschlagenen Hakenkreuz noch zu erahnen. Und auch heute ist der Streit über den Umgang mit dem Bau und der Historie nicht beigelegt.

Das geschichtsträchtige Deutsche Weintor im Grenzort Schweigen-Rechtenbach markiert das Ende der Tour, die aber auch bis ins nahegelegene Wissembourg verlängert werden kann.

Wer möchte, kann jedoch auch nach Wissembourg weiterlaufen und marschiert dazu durch das Deutsche Weintor hindurch und folgt am dahinter liegenden Kreisel rechts der Hauptstraße. Diese führt in einem Bogen aus der Ortschaft hinaus und wir passieren – recht unspektakulär – die Grenze. Nun bieten sich naturgemäß zahlreiche Möglichkeiten an und es empfiehlt sich je nach Lust und Laune den Ausflug nach Wissembourg im Vorfeld zu planen. Eine Variante ist es, der Rue Robert Schumann zu folgen und dann auf die Rue du Pflaenzer abzubiegen. So kommen wir zum Boulevard de l’Europe, halten uns kurz auf der Rue des Acacias und bieten in die kleine Rue Otfried ein. Von dort kommen wir auf die Rue du Rempart und den Quai du 24 Novembre. In der Rue du Marche aux Poissons befindet sich die Touristeninformation und wer nun direkt zum Bahnhof möchte, kann beispielsweise der D264 und im Verlauf der D3 immer dem Hinweis „SNFC-Gare de Wissembourg“, dem Bahnhof, folgen.

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