Altdorf in der Südpfalz, vor 80 Jahren: Der Wehrmachtpilot Henning Kellermeyer stirbt beim Absturz eines Jagdflugzeugs auf einem Feld. Das Unglück ist heute noch im kollektiven Gedächtnis des Orts verankert – auch, weil Pilot und Maschine nie geborgen wurden. Um zu der Unglücksstelle, dem Fliegergrab in der Südpfalz, von damals zu gelangen, begibt man sich auf Spurensuche.

Im Jahr 1944 stürzte auf einem Feld im Südwesten des Orts der Pilot Henning Kellermeyer ab – bei einem Übungsflug mit einer Messerschmitt Bf 109, auch bekannt als Me 109. Bis heute liegen Flugzeug und Pilot in der Erde begraben – auch 80 Jahre nach dem Absturz nicht geborgen. Am 2. Mai 1944 waren viel Flugzeuge am Himmel zu sehen, als eins plötzlich abstürzte, wie sich Zeitzeugen erinnern. Die Messerschmitt bohrte sich in den weichen Untergrund, der an dieser Stelle besonders sumpfig und morastig war. Das Fliegergrab in der Südpfalz, wie die Stelle heute genannt wird, liegt an dem Wanderweg „Gäuwiesenweg“ unweit einer Sitzgruppe und wird vom Pfälzerwaldverein Altdorf-Böbingen gepflegt.
Ein Stück weit entfernt von den Sitzbänken ist eine Tafel errichtet worden. „Hier ist am 2.5. 1944 Henning Kellermeyer abgestürzt. Der Deutsche Jagdflieger hat bei einem Übungsflug in 8500 m Höhe die Kontrolle über die Me 109, die in Lachen Speyerdorf stationiert war, verloren. Das Flugzeug bohrte sich sehr tief in den morastigen Wiesenboden. Eine Bergung blieb wegen des hohen Grundwasserspiegels erfolglos“, ist darauf zu lesen. Die Tafel steht im undurchdringlichen Gestrüpp, dahinter liegt eine Wiese.
Gedenkstein erinnert an Fliegergrab in der Südpfalz
Wer die Stätte besucht, findet nach kurzem Suchen tatsächlich den Zugang, und wenn die Wegschneise frisch gemäht ist, fällt der Blick nach einigen Schritten auf den schwarzen, umgestürzten Gedenkstein in Form eines Kreuzes, der im Schatten eines kleines Baums liegt. Hier also, sind das Flugzeugwrack und der Pilot mehrere Meter tief unter der Erde begraben. Der Wehrmachtpilot Henning Kellermeyer wurde – anders als viele andere im Krieg mit ihren Flugzeugen abgestürzte Soldaten – bis heute nicht geborgen. Vermutlich ist das auch der Grund, warum der Absturz der Messerschmitt BE und ihres Piloten die Menschen in Altdorf heute noch beschäftigt.
Immerhin: Eine Trauerfeier gab es im Jahr 1944, wie Schwarz-Weiß-Fotos belegen. Sie sind in einer Broschüre des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge abgedruckt und darin sind die Chronik der Ereignisse und das Leben von Henning Kellermeyer festgehalten. Geboren 1919 in Hamburg, ist Kellermeyer ab 1938 als Soldat im Zweiten Weltkrieg und zuletzt in Lachen-Speyerdorf stationiert.

Weitere Fotos geben Einblicke in das Leben des jungen Mannes, daneben wird über das Leben der Familie berichtet. So schreibt Henning Kellermeyers Bruder Karl, selbst vom Krieg gezeichnet, 1987 einen Brief aus Hamburg. „Mein Bruder war voller Lebensfreude und liebte sein Leben“, ist zu lesen. Karl Kellermeyer berichtet, wie den Eltern die Todesnachricht des Bruders übermittelt wurde und wie die Familie an der Trauerfeier mit militärischen Ehren am 12. Mai 1944 in der Südpfalz teilnahm. „Am 5. Mai kam ein Telegramm, das besagte, daß die sterblichen Überreste nicht geborgen werden können.“ 1957, so ist es dokumentiert, gab es Überlegungen zur Ausgrabung und Umbettung, die aber verworfen wurden.
Die Familie des verstorbenen Piloten sei immer wieder aus Hamburg nach Altdorf zum Fliegergrab in der Südpfalz gekommen, um die Absturzstelle zu besuchen. Auf einer Aufnahme ist neben Mutter und Bruder von Kellermeyer auch ein Sohn zu sehen. Der Bruder schreibt in seinem Brief nichts über ihn, spekuliert aber über eine mögliche Ursache des Absturzes bei Altdorf. „Man vermutet, daß durch Sabotage das Sauerstoffgerät nicht funktionierte. Die Annahme geht darauf zurück, weil mehrere Abstürze ohne Kampfhandlungen vorgekommen waren.“

Wer den Sabotageakt gegen Hitlers Luftwaffe begangen haben soll, bleibt bei den Spekulationen offen. Bekannt ist dagegen: Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurden viele schlecht ausgebildete Piloten in Flugzeuge gesetzt, weil es schlicht kaum noch gut ausgebildete gab. Die Geschichte des Fliegergrabs strahlt also seit vielen Jahrzehnten eine Faszination aus. Und weckt Begehrlichkeiten: Gerüchten nach gab es auch einige Versuche von Schrotthändlern, das Flugzug aus der Erde zu bergen – alle ohne Erfolg.
Das Fliegergrab in der Südpfalz: Eine von 11.000 archäologischen Fundstellen in der Pfalz
Auch bei der Landesarchäologie Speyer ist das Fliegergrab bekannt, so wie etwa 11.000 weitere archäologische Fundstellen in der Pfalz. In Fällen wie dem in Altdorf, belasse man in der Regal alles so, wie es sei. Der Besitzer des Flugzeugs, in diesem Fall die Bundeswehr als Nachfolgerin der Wehrmacht, könnte eine Bergung veranlassen. Ebenso die Nachfahren von Henning Kellermeyer oder die Kriegsgräberfürsorge. Jedoch müssten dafür sehr viele Stellen zusammenarbeiten. Aufgrund des nach wie vor unwegsamen Geländes seien die Erfolgsaussichten eines so aufwendigen Unterfangens gering. Zudem müsste man sich über konservatorischen Maßnahmen für das Wrack Gedanken machen.
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