Pfalz/Edenkoben: Ein „Klassiker“ bei der Villa Ludwigshöhe

Von der „Villa Ludwigshöhe“ zur Rietburg, über den Kohlplatz durchs Modenbachtal und zurück zum Schloss. 12 Kilometer – mittelschwer.

Es gibt ein paar Wander-Klassiker im Pfälzerwald, die gehen eigentlich immer. Diese Wanderung gehört meiner Meinung nach dazu. Sie verbindet auf überwiegend einfachen Wegen ein Stück Pfälzer-Geschichte und -Kultur, Einkehrmöglichkeiten und – wenn man mit der Sesselbahn fährt – ein kleines außergewöhnliches Abenteuer. Die Streckenlänge beträgt 12 Kilometer und kann um zwei Kilometer verkürzt werden (wenn man die Bahn nutzt). Kinder freuen sich immer über einen Ausflug mit der Bahn hoch zur Rietburg, bei der es noch ein Wildtiergehege zu erkunden gibt. Da es sich bei der Tour nicht gerade um einen Geheimtipp handelt, trifft man auf den Wegen allerlei Ausflügler. Der Mittelteil der Tour ist identisch mit dem Tipp „Pfalz/Weyher: Einfach mal drauf losgelaufen“, den ihr ebenfalls auf meinem Blog findet.

Markierung: Blau-gelber Balken, blau-weißer Balken, roter Punkt, Pälzer Keschdeweg

Allgemeine Infos: Wir sind teilweise auf unbeschilderten Wegen unterwegs, weshalb zusätzliches Kartenmaterial nicht fehlen sollte! Es gilt, vor allem für Ortsunkundige: Mein Bericht soll eine Orientierungshilfe bieten, die Strecke und ihre Begebenheiten vorstellen und helfen, die Anforderungen der Tour einzuschätzen. Vergesst nicht, zusätzliches Kartenmaterial mitzuführen und euch vor Antritt der Wanderung über Streckensperrungen, An- und Abreise usw. zu informieren. Den GPS-Track gibt es zum Beispiel hier: https://www.outdooractive.com/de/wanderung/pfalz/unterwegs-in-koenig-ludwigs-reich/117062333/

Bitte die Öffnungszeiten der Rietburgbahn beachten: www. rietburgbahn-edenkoben.de. Die einfache Fahrt kostet regulär fünf Euro. Infos zur Strecke auch unter: http://www.edenkoben.de.

Einkehren: „Terrasse der deutschen Weinstraße“ auf der Rietburg, Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertage von 9 bis 18 Uhr.
Nello-Hütte, Öffnungszeiten: Sonn- und Feiertage von 10 bis 17 Uhr.
Amicitia-Hütte, Öffnungszeiten: Sonn- und Feiertage von 11 bis 18 Uhr.
Rietania-Hütte, Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag und an Feiertagen von 11 bis 19 Uhr. Dazu kommen Einkehrmöglichkeiten am Schloss Villa Ludwigshöhe und an der Talstation der Rietburgbahn. Das Schweizerhaus war zum Zeitpunkt der Wanderung noch geschlossen.

Anfahrt: Mit dem Auto über die A 65 bis zur Ausfahrt Edenkoben und durch die Stadt. Die Villa Ludwigshöhe ist ausgeschildert. Mit dem Zug von Karlsruhe zum Bahnhof Edenkoben, dann mit dem Bus zur Haltestelle Ludwigshöhe. www.bahn.de, http://www.palatinabus.de, http://www.kvv.de, http://www.vrn.de.

Streckenbeschreibung: Wenn König Ludwig I. von Bayern in „seines Reiches mildesten Teil“ reiste, dann besuchte er seine Residenz oberhalb des Städtchens Edenkoben. In der 1846 errichteten Villa Ludwigshöhe verbrachte er am liebsten die Sommermonate und hier feierte er Ende August auch seinen Geburtstag – soweit der kurze Auszug aus der Geschichte, die in der Pfalz wohl jedes Kind kennt. Natürlich können historieninteressierte Wanderer das alles noch intensiver recherchieren oder die Wanderung direkt mit einer Führung durch die Villa verbinden. Wir aber finden wenige Schritte von der Villa entfernt den Einstieg in unsere Wanderung: Die Talstation der Rietburgbahn.

Rietburgbahn

Die älteste Pfälzer Sesselbahn stammt aus dem Jahr 1954, ist immer noch gut in Schuss und überwindet die 220 Höhenmeter zur Rietburg hoch in geschätzten acht Minuten. Allen Wanderern, die diese Tour gemütlich angehen wollen, sei die Fahrt mit der Bahn empfohlen. Alle anderen folgen dem blau-gelben Balken, zuerst auf dem breiten Forstweg, dann auf einem Pfad steil bergauf. Achtung: Nicht die Abzweigung nach links auf das schmale Pfädchen übersehen! Wir erreichen noch einen Pavillon, von König Ludwig persönlich „Schöner Punkt“ getauft. Danach ein letzter steiler Aufstieg, noch eine letzte spitze Kehre und wir sind an der 536 Meter hoch gelegenen Rietburg angekommen. Ab jetzt beginnt eine entspannte, bequeme Wanderung mit nur noch kurzen Auf- und Abstiegen. Wir folgen weiter dem blau-gelben Balken und müssen nun aufmerksam sein, um den Abzweig zum Ludwigsturm nicht zu verpassen. Bei der Orientierung helfen die Markierungen des „Rietburg-Rundwanderwegs“ (stilisiertes Schloss) und des „Blättersbergwegs“ (stilisierte Pflanze). Nach 1,5 Kilometern erreichen wir so einen kleinen Rastplatz mit Schutzhütte am Ludwigsturm, dessen Namensgeber – wie könnte es anders sein – König Ludwig I. ist.

Wandertipp_Croissant_Pfalz_Edenkoben_Ludwigsturm

Der 15 Meter hohe Sandsteinturm auf dem Blättersberg ist ein anerkanntes Kulturdenkmal. Unser nächstes Ziel, die Nello-Hütte, ist auf einem etwas versteckten Wegweiser ausgeschildert und nur drei Kilometer entfernt. Wir wandern nun sanft bergab auf dem „Candidus-Pfad“, einem wunderschönen, bequemen Pfad. Mehrmals queren wir breite Waldwege, folgen aber konsequent dem blau-gelben Balken, der uns zum Kohlplatz führt. An dieser Wegspinne, die in früheren Jahrhunderten Standort für Kohlenmeiler war und an der viele Wanderwege zusammentreffen, orientieren wir uns neu. Jetzt folgen wir, an einem Ritterstein vorbei, dem blau-weißen Balken nach Süden zur Nello-Hütte. Der 500 Meter kurze Abstieg ist so knackig, dass ein Wanderstock gute Dienste leistet.

Nellohütte
Vom Kohlplatz zur Nellohütte ist es ein kurzer, aber sehr steiler Abstieg. Allerdings gibt es auch eine längere „Umgehungsstrecke“, die sogar für Kinderwagen geeignet ist.

Es ist wirklich nur ein Katzensprung bis zur Amicitia-Hütte. Allerdings kann man sich auch auf dem kurzen Weg verlaufen! Die Markierung ist an dieser Stelle meiner Meinung nach nicht ideal. Denn wer konsequent dem blau-weißen Balken folgt, läuft schnell an der Amicitia-Hütte, die auch „Sieben Quellen“ genannt wird, vorbei. Wir laufen also erst auf dem Weg, der uns zur Hütte weist, und haben den Bachlauf rechts von uns. An der Stelle, wo wir diesen überqueren folgt man nicht dem Weg in gerader Richtung, sondern nach rechts leicht ansteigend. Erst ein paar Schritte weiter sieht man den Hinweis wieder. Links unten erscheint dann schon gleich die Amicitia-Hütte, man läuft aber noch eine ganze Weile oberhalb entlang, bevor links ein markierter Pfad nach unten zur Hütte führt.

Amicitiahütte
Die Amicitia-Hütte liegt an der „Siebenquelle“, einem kleinen Zufluss des Meisentalbaches, der selbst ein linker Zufluss des Modenbachs ist, weshalb sie auch „Sieben-Quellen-Haus“ genannt wird.

Ab hier beginnt unser Rückweg. Wir umrunden das Toilettenhäuschen der Amicitia-Hütte, gehen danach rechts auf einen schmalen Pfad oberhalb des Meisentalbaches und haben die nächsten 1,5 Kilometer keine Markierung. Wir halten uns an der Stelle, an der das Pfädchen auf einen breiten Waldweg trifft, rechts und dann immer geradeaus durch das Wasserschutzgebiet Edenkoben. Bald taucht der rote Punkt auf, dem wir nun folgen, bis an einer Kreuzung die Markierung des „Pälzer Keschdewegs“ erscheint. Dieser Weitwanderweg, der parallel zur Weinstraße verläuft, wird uns zum Ausgangspunkt unserer Wanderung zurückführen. Doch zunächst geht es noch einmal im Zick-Zack kräftig ansteigend zum „Schweizerhaus“ (Zum Zeitpunkt der Wanderung geschlossen). Als nächstes erreichen wir die Rietania-Hütte direkt am Wanderweg zwischen Rhodt unter Rietburg und Weyher gelegen. Jetzt trennt uns nur noch ein Kilometer vom Ziel und wir stehen wieder vor König Ludwigs Sommerresidenz, der Villa Ludwigshöhe.

Kommentare sind geschlossen.

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑