Schwarzwald. Unterwegs auf dem Seensteig

Seensteig, Baiersbronn-Mitteltal, 14 km, Mittelschwer.

Der Seensteig im Schwarzwald ist als Premium-Wanderweg bekannt und längst kein Geheimtipp mehr. Ich war auf der Strecke von Baiersbronn nach Mitteltal unterwegs, was Etappe 1 des Seensteigs entspricht, der eigentlich 5 Etappen umfasst und 91 Kilometer lang ist. Infos zum Seensteig generell gibt es haufenweise im Internet. Beispielsweise unter www.baiersbronn.de ist Karten- und Infomaterial, eine Wander-App und ein Tourenplaner zu finden

An-/ Abreise: Los geht es in Baiersbronn an der Haltestelle „Bahnhof“, wo es ziemlich trubelig ist. Noch schnell ein bisschen Wegzehrung gekauft, denn die potentiellen Einkehrmöglichkeiten auf der Strecke sind im Vorfeld leider unklar geblieben. Die Anreise mit dem Bus verläuft unproblematisch und – dank der Kurkarte – sogar kostenlos. Etwas Planung ist allerdings schon notwendig, denn die Busse fahren je nach Jahreszeit und Wochentag unterschiedlich, die Tourist-Information ist nicht durchgehend geöffnet.

Einschätzung der Wanderung: Die hier vorgestellte Wanderung verlangt Trittsicherheit und Kondition, ist aber nicht nur für Profi-Wanderer geeignet. Zwischendurch besteht immer wieder die Möglichkeit mit dem Bus weiter zu fahren, so zum Beispiel in Kniebis-Dorf. Wer es jedoch bis dahin geschafft hat, hat auch das anstrengendste Stück der Tour bereits hinter sich gebracht. Die Mitnahme eines Stocks wird empfohlen, außerdem ausreichend Wegzehrung, da es an adäquaten Einkehrmöglichkeiten mangelt. Die Tour ist landschaftlich äußerst abwechslungsreich, die Pause an den dunklen Karseen fantastisch.

Karseen: Einst soll es über 60 Karseen um Baiersbronn gegeben haben, heute steht diese besondere Gewässerart kurz vor dem Aussterben. Ihren Ursprung haben die Seen in der Eiszeit vor über 10.000 Jahren, als sich kleine Hängegletscher tief in den Buntsandstein einhobelten und dabei die spezifischen, steilen Karwände schufen. Wegen ihres braun-schwarzen Moorwassers und der typischen Muldenform werden Karseen oft als „dunkle Augen“ bezeichnet. Jede Menge Sagen und Mythen ranken sich um die Seen.

Hinweis und Allgemeines: Die Strecke ist generell sehr gut markiert, dennoch sollte unbedingt Kartenmaterial und/oder ein GPS-Gerät mitgenommen werden! Vor allem wenn man fremd ist, vielleicht grade mit den Mitwanderern quatscht oder kurz abgelenkt ist, verläuft man sich schnell. Deshalb: Mein Bericht soll eine Orientierungshilfe bieten, die Strecke und ihre Begebenheiten vorstellen und helfen, die Anforderungen der Tour einzuschätzen. Vergesst nicht, zusätzliches Kartenmaterial mitzuführen und euch vor Antritt der Wanderung über Streckensperrungen, An- und Abreise usw. zu informieren. Als erfahrener Wanderer versteht es sich von selbst, dass ein Vesper, Getränke, Sonnen- und Regenschutz im Rucksack nicht fehlen dürfen.

Wegmarkierung: Grün-Blaues Sechseck mit der Beschriftung „Wanderhimmel Seensteig“.

Streckenbeschreibung: Schnell finde ich den Einstieg, der sehr gut ausgeschildert ist – was generell für die ganze Strecke gilt. Es geht zuerst durch die Sankenbachstraße aus Baiersbronn hinaus. Wir kommen in die offene Landschaft und laufen am Sankenbach entlang auf den imposanten Schwarzwald zu. Weiter geht es im Wald in Richtung Sankenbachsee, den wir problemlos erreichen.

Seensteig Karsee Sankenbachsee Panorama
Erste Station: Der Sankenbach. Wir kommen im Laufe der Wanderung noch an einem anderen Karsee, dem Ellbachsee, vorbei.

Wir laufen am Seeufer entlang und finden den verwurzelten Einstieg zu den Sankenbach-Wasserfällen. Nun ist Trittsicherheit gefragt: Es geht steil nach oben. Der sportliche Aufstieg wird von dem Naturerlebnis an den Wasserfällen belohnt:

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Zum Vergrößern klicken.

Ein kleiner Eindruck vom Sankenbachwasserfall: wild-romantisch.

 

Wurzelig und rutschig ist der Aufstieg entlang der Sankenbach-Wasserfälle: Ein tolles Abenteuer und Naturerlebnis!

Nun laufen wir immer weiter durch den Wald und nähern uns dem „Schwarzwalddorf“ Kniebis. Dieser Streckenabschnitt kommt nach dem Sankenbachsee und den Wasserfällen vielleicht etwas langweilig daher und zieht sich. In Kniebis-Dorf wird man über den so genannten „Heimat-Pfad“ geführt, der allerdings wohl eher für Kinder gedacht ist. Das Problem: Der Pfad führt um den Ort herum, wer einkehren möchte, muss einen Abstecher nach Kniebs einplanen (hier ist auch die Bushaltestelle zu finden). So wirklich glücklich waren wir allerdings mit der Entscheidung zwischen einem Café und einer Tankstelle mit Bistro nicht. Generell scheint in dem verschlafenen Nest die Zeit stehen geblieben zu sein und wir laufen zügig weiter.

Seensteig Kniebis Dorf
Blick auf Kniebis. An gemütlichen Einkehrmöglichkeiten mangelt es leider in dem verschlafenen Schwarzwalddorf.

Unsere Markierung lotst uns weiter durch den Wald und zur Aussichtsplattform Ellbachseeblick – der Ausblick ist spektakulär. Und wir haben unser nächstes Ziel direkt vor uns – allerdings tief unten. Dementsprechend geht es nun über einen Trampelpfald steil hinab.

Sennsteig Ellbachsee Plattform
Blick auf den Ellbachsee von der Aussichtsplattform…


Seensteig Karsee Ellbachsee Schwarzwald
…und unten angekommen. Der leichte Regen passt zu der urigen Stimmung am Karsee.

 

Am See selbst ist es wiederum wunderschön, so ruhig und geheimnisvoll liegen die Karseen eingebettet in den dunklen Schwarzwald. Wir schlendern nun weiter durch den Wald und überlesen fast ein Schild, das aber unbedingte Aufmerksamkeit verdient: Über 500 Meter kann der Seensteig auf einem normalen Waldweg begangen werden oder man entscheidet sich für einen „Abenteuerpfad“, was wir natürlich getan haben.

Das Video zeigt nur einen kurzen Einblick des Abenteuerpfades, der seinem Namen alle Ehre macht. Es wird rutschig, matschig und dreckig – und es ist ein Riesenspaß!

Überlegt euch das gut! Der Pfad ist wirklich ein Abenteuer und nur für absolut trittsichere Wanderer geeignet! Unten treffen die Wege dann wieder zusammen. Wir werfen noch einen Blick auf eine gigantische Tanne und verarbeiten unserer Eindrücke des Abenteuerpfades, während wir uns langsam aber sicher Mitteltal nähern. Auf dem letzten Streckenabschnitt geht es wild-romantisch zu.

Rauschender Bach auf dem letzten Wegabschnitt. Es geht nun auf angenehmen Wegen durch den Wald bis nach Mitteltal.

Auf angenehmen Waldwegen nähern wir uns dem Wildgehege bei Mitteltal. Dort ist auch ein großer Wald-Spielplatz zu finden und wir laufen nun auf einem Rad-/Fußweg am Ellbach entlang in den Ort hinein. Eine schöne Tour liegt hinter uns, die uns streckenweise durchaus Kondition abverlangt hat.

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