Germersheim. Ein Stadtspaziergang

Festungsspaziergang Germersheim am Rhein, 7 km, sehr leicht.

Die Stadt Germersheim überrascht mit einer imposanten Festungsanlage, die bei einem gemütlichen (Familien-) Spaziergang erkundet werden kann. Ich habe den Stadtspaziergang auch schon mit Gästen „von Auswärts“ gemacht, denn es lässt sich am Rhein auch in ein gut-bürgerliches Fisch-Restaurant einkehren. Spannend sind die einstigen militärisch genutzte Gebäude. Die Strecke ist auch für eine Radtour geeignet, wobei die dann wirklich sehr kurz ausfällt: Es sind nämlich gerade einmal 8 Kilometer. Generell ist der Spaziergang barrierefrei, bis auf eine Stelle am Ludwigstour. Die Treppenstufen können aber auch über einige Straßen umgangen werden.

An-/ Abreise: Wir beginnen unsere Tour unter dem Titel „Festung und Natur“ am Weißenburger Tor. Hier ist ein kleiner Parkplatz zu finden. Da es sich um einen Rundweg handelt, ist der Einstieg auch an anderen Stellen möglich, z.B. am S-Bahnhof, der auch auf der Strecke liegt.

Einschätzung der „Wanderung“: Es handelt sich eher um einen ausgedehnten Spaziergang als um eine Wanderung. Ich finde ihn sehr abwechslungsreich, besonders wenn man etwas historisch interessiert ist. Germersheim hat leider keinen so guten Ruf als Stadt und man sieht auf der Strecke richtig schöne Ecken.

Festungsstadt: „Gottes Segen über dieses Bollwerk, Gottes Segen über Bayerns Volk“! Diese Worte schrieb König Ludwig I. von Bayern zur Grundsteinlegung 1834 der Germersheimer Festung, die gerne als „Bollwerk gegen Frankreich“ bezeichnet wurde. Die Festung war im sogenannten. „polygonalen Kaponniersystem“ errichtet worden: Ihre Hauptumfassung war in sechs Verteidigungsabschnitte (Fronten) unterteilt, die  nach bayrischen Generälen benannt sind. Davor lagen die Grabenwehren und das Glacis (Vorgelände). Den äußeren Teil bildeten drei Vorfesten und sieben kleinere Vorwerke, die die Schiffsbrücke über den Rhein schützen sollten. Im Jahre 1861 war der Bau vollendet und aus Germersheim war die größte bayrische Festung außerhalb Bayerns geworden. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts waren bis zu 5000 Soldaten hier stationiert. Schon früher befasste sich der „Deutsche Bund“ mit Plänen zum Bau einer neuen Festung, die zusammen mit der Festung Landau das linke Rheinufer vor Überfällen aus Frankreich schützen und im Kriegsfalle die Rheinüberquerung eines deutschen Heeres ermöglichen sollte. Im Gegensatz zu Landau war Germersheim stets eine bayerische Festung, weshalb ein besonderes Augenmerk auf dem Schutz des linksrheinischen Teils im bayerischen Staatsgebiet lag. Doch es kam ganz anders, denn bereits vor ihrer Fertigstellung galt die Festung Germersheim militärtechnisch als überholt. Hinzu kommt, dass sie nach dem Sieg im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 und der Annexion von Elsass-Lothringen auch ihre strategische Bedeutung verloren hatte. Gemäß den Bedingungen des Versailler Vertrags von 1919 musste sie geschleift werden. Es blieben allerdings einige Gebäude, in erster Linie die „Defensivgebäude“,  erhalten wie z.B. das Weißenburger Tor. Im Park von Fronte Lamotte hat sich ein Pfälzer Künstler mit seinem Atelier angesiedelt. In der Kaserne Seyssel befindet sich der Fachbereich Translations-, Sprach-  und Kulturwissenschaften der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Im Ludwigstor ist das Stadt- und Festungsmuseum untergebracht. Das Deutsche Straßenmuseum befindet sich im historischen Zeughaus. Ein komplett erhaltener Festungsteil ist die Fronte Beckers mit unterirdischen Minengängen und Infanteriegalerien. Jedes Jahr findet hier der Germersheimer Kultursommer statt, besonders das „Hufeisen“ bietet ein schönes Ambiente für Theater und Konzerte. Ihren Platz fanden in dem historischen Verteidigungsbau auch das Jugendzentrum und die Musikschule. Zu sehen ist auch ein Stück der ehemals umlaufenden etwa zehn Meter hohen „Hauptumwallung“. Nach einem französischen Ingenieur ist die Carnot´sche Mauer benannt, von der ein Abschnitt erst in jüngerer Vergangenheit freigelegt wurde. Insgesamt gesehen ist es ein Glücksfall für Germersheim, dass ein großer Teil der Festung nicht geschleift wurde. Was in früheren Zeiten der Grenzsicherung und der Verteidigung diente und nun eine Vielzahl von Kultur- und Sozialeinrichtungen beherbergt, prägt das Gesicht der Stadt bis heute.

Hinweis und Allgemeines: Die Strecke ist generell recht gut markiert, dennoch sollte unbedingt Kartenmaterial und/oder ein GPS-Gerät mitgenommen werden! Vorallem wenn man fremd ist, vielleicht grade mit den Mitwanderern quatscht oder kurz abgelenkt ist, kann man sich auch auf der kurzen Strecke verlaufen. Da wir viel im Stadtgebiet unterwegs sind, kann man natürlich auch einfachmal fragen, aber: Sicher ist sicher! Man findet viele Infos zum Festungsspaziergang im Internet oder kann bei der Tourist-Info Germersheim nachfragen.

Wegmarkierung: Ein stilisiertes Festungstor        Germersheim Markierung

 

Germersheim Stadtspaziergang Festungsrundgang Weißenburger Tor
Los geht’s am Weißenburger Tor. Die Fassade zeigt das bekrönte und von zwei Löwen gehaltene bayrisches Staatswappen sowie die Jahreszahl der Erbauung 1839.
Germersheim Stadtspaziergang Park Fronte Lamotte
Beeindruckend präsentiert sich gleich zu Beginn der Tour die Festungsanlage, die zum Teil neu aufgebaut und an anderer Stelle im Original belassen wurde.

Streckenbeschreibung: Wir stehen am Parkplatz und schauen auf das Weißenburger Tor und laufen erst einmal nach nach links durch den Park. Unsere Markierung weist uns an der „Fronte Lamotte“ den Weg nach links in die Straße „An der Infanteriegalerie“. Über die „Ritter-von Schmauß-Straße“ gelangen wir zur Stadthalle und queren den davor liegenden Platz. An der Wiese halten wir uns rechts und laufen nun auf einem kombinierten Rad- und Fußweg an der Zeppelin-Straße entlang. In unserem Blickfeld erscheint der Wasserturm und  der „Nachtigallenweg“ führt uns an diesem vorbei. Wir marschieren durch einen kleinen Park und gelangen zum Skulpturenpark „An Fronte Beckers“.

Germersheim Stadtspaziergang Festungsrundgang Park Fronte Beckers
Im Park sind viele Kunstwerke zu sehen. Imposant sind aber auch die historischen Festungsmauern.

Wir folgen dem Weg nun ein Stückchen in die Höhe. Der Verteidigungsbau „Fronte Beckers“ zeigt das typische Befestigungssystem in Germersheim. Die Form erinnert an ein Hufeisen und von oben können wir einen Blick in den geräumigen Innenhof werfen.

Stadtspaziergang Festungsrundgang Germersheim Hufeisen Fronte Beckers
Wie ein Hufeisen sieht der Gebäudekomplex aus, in dem unter anderem die Germersheimer Musikschule untergebracht ist. Das Gelände wird für Kunst- und Kulturveranstaltungen genutzt. Auch eine Führung in den unterirdischen Gängen ist nach Anmeldung möglich.

Wir finden uns „An der Hochschule“ wieder und gehen weiter in die Ludwigsstraße. Die Kaserne Seyssel, in der ein Teil der Universität untergebracht ist, war die größte Kriegskaserne der Festung. Die Flügel des Bauwerks sind im Winkel von 45 Grad vorgebogen, die Länge der Gebäudefront beträgt 284 Meter. Nun gehen wir immer grade aus und schauen uns das kleine Studentenviertel in Germersheim an. Die Lilien-Straße führt uns linkerhand über eine kleine Brücke bald zur Jakobuskirche, über deren Platz wir unser nächstes Ziel, das Ludwigstor, ansteuern. An dieser Stelle ist eine Treppe zu überwinden, die aber auch über die Parallelstraßen umgangen werden kann.

Germersheim Festungsrundgang Stadtspaziergang Ludwigstor
Das Ludwigstor bildete zusammen mit dem Weißenburger Tor zur Festungszeit die beiden Eingänge zur Stadt. Heute ist in dem imposanten Bauwerk das Stadt- und Festungsmuseum untergebracht.

Durch das Tor gelangen wir nach wenigen Gehminuten in einen Park und zum Schwanenweiher. Laut offiziellen Beschreibung soll man diesen umrunden, was sich aber nicht wirklich lohnt. Von hier aus wäre es nur ein kurzer Abstecher bis zum Zeughaus, in dem zur Festungszeit Waffen und Ausrüstungsgegenstände lagerten. Heute ist in dem Gebäude in der Zeughausstraße das Deutschen Straßenmuseum zu finden. Über die Bahnhofstraße führt der Weg nun durch ein ruhiges Waldstück, in dem wir der plätschernden Queich folgen. An einer unbeschilderten Abzweigung orientieren wir uns an dem Schlagbaum und werfen noch einen Blick auf das Teilungswehr.

Stadtspaziergang Germersheim Teilungswehr
Das ist unser Weg am Teilungswehr (rechts im Bild).

Wir verlassen das Waldstück an der S-Bahn-Station „Germersheim Mitte“. An dieser Stelle kann man zum Rhein abzweigen – und sollte es auch: Gerade erst wurde das Rheinufer in Germersheim neu gestaltet und es gibt die oben schon erwähnten Fischrestaurants.

Das Rheinvorland wurde 2017 neu gestaltet: Spielplatz, Aussichtsplattform und ein Radweg gibt es nun. Auf der gegenüberliegenden Rheinseite sieht man übrigens eine Strandbar.

Zurück an dem markanten Kreisel wollen wir noch zum 1894 errichteten Arrestgebäude, das wir über die Rudolf-von Habsburg-Straße erreichen. Hier waren staffällig gewordener Soldaten untergebracht und auch nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde das Gebäude von den französischen Besatzern weiter genutzt. Ab 1954 wurde es zur Notunterkunft für Wohnungssuchende, heute sich Büro- und Vereinsräume darin untergebracht. Auf dem Gelände befindet sich außerdem das ehemalige Proviantamt, an dem wir noch vorbei schlendern und bald wieder am Weißenburger Tor ankommen. Über die Brücke gelangen wir  wieder zu unserem Ausgangspunkt zurück.

Germersheim Stadtspaziergang Weißenburger Tor Tourist-Info
Das Weißenburger Tor – von der anderen Seite fotografiert. Hier ist auch die Germersheimer Tourist-Info (links) untergebracht.

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