Schaidt/Pfalz. Auf dem Westwallweg

Westwallweg bei Schaidt, 10 km, Leicht/Mittel.

Bei dem Örtchen Schaidt lässt es sich auf historischen Spuren wandeln: ein Rundweg durch den Bienwald führt an Relikten unter anderem aus dem Zweiten Weltkrieg vorbei. Wer es sportlicher mag, kann sich für den 16 Kilometer langen Rundweg entscheiden, der an der gleichen Stelle beginnt, wie die kürzere Tour.

An-/ Abreise: Schaidt liegt etwas „ab vom Schuss“, es gibt jedoch einen Bahnhof. Von diesem müssen noch ein paar Kilometer zusäzlich in Kauf genommen werden, um zum Einstieg der Tour zu gelangen, der beim Sportgelände liegt. Der Weg führt über die Hauptstraße, Speckstraße und Waldstraße bis zum Sportplatz. Es gibt einen großen Parkplatz.

Einschätzung der „Wanderung“: Die Strecke verläuft überwiegend im Wald und ich persönlich laufe gerne auf dem weichen Waldboden. Es gibt keinen nennenswerte Steigungen, dafür aber ziemlich viel zu entdecken. Ich habe die Tour schon einige Male gemacht und einziger Wermutstropfen sind die vielen Stechmücken, die – je nach Jahreszeit und Wetterlage – im Bienwald herum schwirren. Also: Mückenschutz nicht vergessen!

Hinweis und Allgemeines: Die Strecke ist generell recht gut markiert, dennoch sollte unbedingt Kartenmaterial und/oder ein GPS-Gerät mitgenommen werden! Vorallem wenn man fremd ist, vielleicht grade mit den Mitwanderern quatscht oder kurz abgelenkt ist, kann man sich auch auf der kurzen Strecke verlaufen. Da wir im Wald unterwegs sind, ist es besonders ärgerlich, wenn wir vom Weg abkommen. Deshalb: Vorher informieren! Zum Beispiel beim Pfälzerwaldverein, Ortsgruppe Schaidt:  http://www.pwv-schaidt.de, telefonischer Kontakt über die Stadt Wörth: 0 72 71/13 10 oder: Südpfalz Tourismus, 0 72 74/5 33 00, info@suedpfalz-tourismus.de, http://www.suedpfalz-tourismus.de. Es gibt im Internet auch einen Flyer.

Wegmarkierung: Roter Punkt

Gastro-Tipp: Das nahegelegene Naturfreundehaus Kandel.

Streckenbeschreibung: Wir schnüren unsere Wanderstiefel am Sportgelände von Schaidt und folgen dem roten Punkt über den offenen Platz in Richtung Tenniscourt. Nun müssen wir kurz aufmerksam sein, um die Abzweigung rechts nicht zu übersehen, die uns in ein kleines Waldstück bringt und dann an der Straße entlang zur Bildeiche.

Westwallweg Schaidt Bildeiche Bienwald
Das Denkmal „Bildeiche“ ist ein stiller Ort der Marienverehrung und ragt imposant in die Höhe.

Wie in der Pfalz üblich, gibt es auch zum Denkmal „Bildeiche“ eine Geschichte: Um 1800 schnitzte ein Auswanderer aus Schaidt einen Bildstock und bat damit um Schutz für eine glückliche Überfahrt nach Amerika. Dieses Bild fand seinen Platz über 150 Jahre lang in der hohlen Eiche, bis der Baum zerfiel. Danach wurde die heutige Bildeiche aufgestellt, die zuletzt 1995 erneuert wurde. Nun geht es in den Wald hinein und nach wenigen Minuten entdecken wir einen auffälligen Betonklotz mitten im Dickicht. Dabei handelt es sich um einen Ein-Mann-Bunker, den wir uns näher anschauen.

Wandertipp_Beuscher_Pfalz_Bunker_02

Westwallweg Schaidt Ein-Mann-Bunker Bienwald
Ein-Mann-Bunker und zerfallen Bunker-Ruinen liegen im Bienwald versteckt. Unser Weg führt an einigen vorbei.

Eine Informationstafel verrät, dass im Herbst 1944 im Bienwald noch viele dieser Bunker, in denen grade einmal ein Soldat samt Waffe Platz fand, ausgehoben wurden. Sie kamen allerdings nicht zum Einsatz, da eine Verteidigung zu diesem Zeitpunkt bereits aussichtslos war. Wir folgen weiter unserer Markierung, die uns an zerfallen Überresten einer Bunkeranlage vorbei, bald auf eine Abzweigung nach links aufmerksam macht. Über einen schmalen, verwachsenen Pfad kommen kommen wir erneut zu Ein-Mann-Bunkern oder „Kochbunkern“, wie sie nach ihrem Erfinder dem Gauleiter aus Ostpreußen Erich Koch genannt wurden. Nachdem wir zurück auf dem Hauptweg sind, gelangen wir bald zur über 350 Jahre alten Bismarckeiche, die als die älteste Eiche im Bienwald gilt. Kurz zuvor hat sich der große von dem kleinen Rundwanderweg getrennt. Nun folgt für uns ein besonders idyllischer Wegabschnitt, der immer am fröhlich vor sich hin plätschernden Heilbach entlang führt. Der urige „Heilbachpfad“ verläuft am Jakobshäuschen vorbei und dann, nachdem wir eine Straße gequert haben durch ein Gebiet, das nicht forstwirtschaftlich genutzt wird. Die Natur bleibt sich also selbst überlassen und Tiere sowie Pflanzen können sich ungestört entwickeln. Wir befinden uns bereits auf dem letzten Drittel unserer Tour, erblicken weitere Überreste einer Bunkeranlage und laufen nun an einer Reihe von „Mundatsteinen“ entlang.

Westwallweg Schaidt Mundatsteine Bienwald
Die „Mundatsteine“ genannten Grenzsteine wurden zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert gesetzt, um den Klosterbezirk Weißenburg und das Gebiet des Bistums Speyer zu markieren.

Weiter geht es nun zu den „Turkogräbern“, an denen wir einige Minuten innehalten. Die Turko-Soldaten waren für die Franzosen im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 im Einsatz. Fünf der Männer aus Nordafrika erlagen in den ersten Kriegswochen ihren schweren Verletzungen und wurden an dieser Stelle im Bienwald beigesetzt. In der Nähe der Gräber sind angeblich noch Überreste eines früheren Holzkohlemeilers zu sehen – ich habe diese leider noch nicht entdeckt. Wir müssen nur wenige Minuten weiter laufen, bis wir vor den Resten des ehemaligen Bunkers „Kiefernwald“ stehen. Zu sehen ist nur noch ein begrünter Hügel, da der Westwallbunker 1946 gesprengt wurden. Eine Informationstafel veranschaulicht die Geschichte der Bunkeranlage und des Ortes Schaidt im Zweiten Weltkrieg. Unser Weg bringt uns nun bald aus dem Wald hinaus und über einen asphaltierten Weg zurück zur Sportanlage.

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